
Lesetipp von
Nicole Christiansen
05.01.2022
Seit vierzig Jahren leben Surie und ihr Mann Yidel in einem alten Haus in der Nähe des East River in der orthodoxen Gemeinde von Williamsburg, N.Y.
Wie viele andere europäische Juden floh die Familie Eckstein vor dem Holocaust in die USA, um in ihrer chassidischen Glaubensgemeinschaft eine große Familie zu gründen.
Streng gläubig und sehr liebevoll zog die inzwischen 57-jährige Surie mit ihrem Ehemann die zehn Kinder groß, die ihnen bereits viele Enkelkinder schenkten.
Nicht nur zu den vielen jüdischen Festen ist ihr Zuhause ein Ort voller Leben, wo gemeinsam unglaublich viel gegessen und gefeiert wird.
In diesem trubeligen Leben fällt weder dem Ehemann Yidel, noch dem Rest der großen Mischpoke auf, daß die kräftige Surie nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes, der inzwischen 13 Jahre alt ist, völlig unerwartet noch einmal schwanger geworden ist. Zudem hatte eine überstandene Krebserkrankung bei Surie die Menopause ausgelöst.
Surie, der es aus Scham nicht möglich ist, ihrem Yidel von der Schwangerschaft zu erzählen, beginnt plötzlich ein Eigenleben zu führen.
Ihr Geheimnis verändert ihre Rolle in der Familie und ihren Blick auf die Welt: Surie emanzipiert sich und das bewirkt Erstaunliches.
Dieser ergreifende Roman ist bereits im Frühjahr 2021 erschienen und ich bin sehr froh, darauf aufmerksam gemacht worden zu sein.
Anders als die Autorin Deborah Feldman in ihrem autobiografischen Roman „Unorthodox" schafft Goldie Goldbloom Verständnis für die bizarre Welt der Ultraorthodoxen, die zu Hause nicht Englisch sprechen, sondern Jiddisch. Das Internet ablehnen und viel schlimmer noch, Menschen ausgrenzen, die nicht ihrer Weltanschauung entsprechen.
Ein sehr kluger und lebensbejahender Roman!
Übersetzung: Aus dem Englischen von Anette Grube
Roman
Hoffmann und Campe, 24,00 €
Bahrenfelder Str. 79,
22765 Hamburg
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